Preispolitik

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Es gibt kaum ein Thema, über das Fotografen unter sich so viel und gerne streiten diskutieren wie das der Preisgestaltung. Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch ich bin gegen Preisdumping von Fotografen, die es nicht nötig haben, reale Preise zu verlangen und so den Markt kaputt machen. Klare Sache.

Immer wieder muss ich mir anhören, dass ich zu günstig bin. Meine Preise sind kein Geheimnis: Ab Januar 2014 gibt es das kleinste Shooting-Paket für 279 Euro inkl. Umsatzsteuer. „Da könntest du doch locker das doppelte rausholen!“ Ja, könnte ich. Wenn ich zum Beispiel keine Inklusivpakete anbieten würde, sondern das Modell nehmen würde, das die meisten Kollegen nutzen: Ein Basispreis mit wenigen Inklusivfotos, alle weiteren Bilder kosten extra. Warum mache ich das nicht? Nehmen wir als Beispiel ein Familienshooting im Park. Eigentlich ist das kein klassisches Shooting, denn es findet nicht im Studio statt, sondern draußen. Meine Shootings sind Reportagen, nicht nur bei Hochzeiten. Wenn ich eine Familie im Park fotografiere, begleite ich die Kinder und ihre Eltern mit der Kamera bei einem Ausflug. Ich fotografiere auch Details, Landschaft und das Drumherum. Im besten Fall bilden die Fotos am Ende des Tages eine Einheit und erzählen eine Geschichte, statt nur verschiedene Kombinationen von Personen zu zeigen. So eine Reportage möchte ich nicht auseinanderreißen, indem ich nur fünf Bilder davon an die Familie weitergebe. Ich möchte auch nicht, dass sie sich die weiteren 35 bis 60 Bilder einzeln dazukaufen müssen, um am Ende die ganze Geschichte zu haben. Und ich könnte es verstehen, wenn jemand nicht 15 Euro für ein Bild ausgeben möchte, das zwar zur Reportage gehört, aber nur ein paar Gräser oder ein Kinderfüßchen zeigt. Deswegen gibt es bei mir die ganze kleine Reportage im Komplettpaket.

Aber sie geht noch ein bisschen weiter, meine Preispolitik. Ich rechne mir jedes halbe Jahr aus, wie viel ich pro Arbeitsstunde verdienen muss, um von meinem Beruf leben zu können. Ungefähr auf dem Niveau, das ich früher mit meinem festen Job in der Medienbranche hatte. Möglichst nicht weniger, aber auch nicht mehr. Es geht mir nicht darum, mit meiner Fotografie in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Gewinnmaximierung ist nicht mein Ding. Jeder soll sich meine Fotos leisten können – auch wenn mir bewusst ist, dass manche dafür sparen müssen, während andere so etwas aus der Portokasse zahlen. Ich möchte keine feilschenden Schnäppchenjäger anziehen, aber auch nicht ausschließlich die absoluten Topverdiener, von denen es in München sicher nicht zu wenige gibt.

Am liebsten würde ich meine Preise sozial angepasst gestalten. Sprich, jeder Kunde zahlt für meine Fotos seinem Einkommen entsprechend. Der Wert des Geldes ist relativ – für den einen sind 100 Euro eine Menge, für den anderen fast nichts. Warum sollten also nicht auch die Preise relativ sein? Es hapert leider an der praktischen Umsetzung.

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Ein Gedanke zu “Preispolitik

  1. Schöne Gedanken! Und für mich sehr nachvollziehbar. Dein Preis-Leistungsverhältnis ist dennoch nicht zu toppen, denn es gibt, wie schon erwähnt, einfach zu viele Fotografen, die wenig qualitative, sehr teure Bilder abgeben. Insofern: bleib bei deinen Preisen und bei deinen wunderschönen Bildergeschichten – liebe Grüße von Doris

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