Fotomarathon München 2014

Zum ersten Mal fiel das Datum des Münchner Fotomarathons auf einen Samstag, an dem ich keine Hochzeit hatte und auch sonst keinen Job. Beinahe hätte ich meine Teilnahme trotzdem verpasst, denn die Hochzeit des Vortages ging länger als geplant, und da ich nach einer Reportage immer noch die Bilder doppelt sichere, bekam ich nur drei Stunden Schlaf. Zum Glück weckten mich meine Kinder zuverlässig um 7 Uhr. Noch schnell eine andere Sache erledigt und dann mit zwei Freunden, deren Kind und meinen beiden zum Hofbräubiergarten am Wiener Platz. Um 11 Uhr gab’s die Themen des #fmm14.

Oberthema war: „München macht …“

Und die ersten sechs Unterthemen: 1. wolkig, 2. heiter, 3. ahnungslos, 4. clever, 5. verstopft, 6. flutsch

Mein Equipment: Sony NEX 6 mit einem 35 mm 1.8-Objektiv.

Die Idee, meinen kleinen Sohn (3) als Protagonisten und „roten Faden“ einzusetzen, hatte ich schon vor dem Marathon, hatte sie dann aber wieder verworfen, weil ich Zweifel hatte, ob das nicht als „Süßes-Kleinkind-Bonus-Heischen“ rüberkommen würde. Doch dann las ich Unterthema Nummer eins, „wolkig“, und sofort sah ich die (Rauch)Wolke auf Ferdis T-Shirt, das er zufällig trug. Und da mir zu wolkig sonst nichts halbwegs Originelles einfiel, schnappte ich mir kurzerhand den Sohn, fragte ihn, ob ich ihm meine Startnummer auf die Hand schreiben dürfe und ob er mitmachen wolle. Dann machte ich ein paar Serienbilder, bis Ferdi wolkig schaute, und das erste Bild war im Kasten:

1. wolkig

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Auf der Suche nach „heiter“ – meine Begleiter waren gerade dabei, Kräuterzigarettenrauchwolken zu diskutieren – sah ich ein Plakat in einer Ecke des Biergartens und kletterte mit Ferdi dort hin, was ihm viel Spaß machte, den ich dann ganz schnell auf einem Bild einfangen konnte:

2. heiter

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Mittags verließen wir den Biergarten und spazierten Richtung Max-Weber-Platz zur Trambahn. Direkt am Wiener Platz stach mir eine Zeitungsschlagzeile ins Auge, und rasch fragte ich Ferdi, ob er damit etwas anfangen könne? Er konnte nicht und das dritte Bild war fertig.

3. ahnungslos

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Weiter ging’s. Meine Freunde holten sich Kaffee und für die Kinder Orangensaft, während Ferdi sich im Buchladen nebenan ein Pixibuch kaufte. Damit setzte er sich auf die Stufe des Geschäfts und zählte sein Restgeld, wie um nachzusehen, ob er sich vielleicht eins der Sonderangebote leisten könne … Ich wünschte mir kurz, ich hätte meine Nikon mitgenommen statt der Sony (sie ist einfach schneller, und schnell musste ich am 9. August wirklich bei jedem Bild sein), aber es klappte trotzdem.

4. clever

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Für das nächste Bild, „verstopft“, wollte ich eigentlich mit dem Sohn zu Suckfüll in der Türkenstraße fahren und ihn mit Pömpeln kegeln lassen. Doch als er in der Trambahn seine Brezn aß, sagte ich automatisch: „Stopf doch nicht so …“, um mich gleich zu korrigieren: „Äh, doch, stopf sie dir nur in den Mund, vielleicht bekommst du ja das ganze Stück auf einmal rein?“ Klick, Foto Nummer fünf war fertig:

5. verstopft

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Thema 6 fand ich am schwierigsten. Klar, ich hätte Ferdi ein Flutschfinger-Eis kaufen können, er hätte sicher nichts dagegen gehabt, aber ich war mir sicher, dass mindestens 50 andere diese Idee auch hatten. Also dachte ich eher an Seife in Kinderhänden. Doch vorher brauchten wir eine Mittagspause, die beiden anderen Kinder (5 und 6) waren ja auch mit dabei und meldeten Hunger und Durst … Also suchten wir erst eine debil grinsende Sonne für meinen Mitstreiter und kehrten dann im McDonalds in der Schwanthalerstraße ein. Da stand zufällig dieser Rutschgefahr-Aufsteller und Ferdi ging freiwillig zu Boden, als wir ihn darum baten. Einmal ausgelöst und die Situation war vorbei, das Bild aber im Kasten:

6. flutsch

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Bevor es zum Halbzeit-Treffpunkt am Sendlinger Tor ging, mussten wir noch schnell ein paar Bilder für meinen Freund mit der Startnummer 79 produzieren. Stellt Euch doch mal am frühen Nachmittag mitten in der Stadt vor eine Mauer und schwingt ein großes Küchenmesser in schnellen Bewegungen bis kurz vor die Schulterblätter einer Frau, die mit dem Rücken zu Euch steht. Ihr dürft gespannt auf das Ergebnis sein! Zum Glück hatte es mittlerweile recht ausdauernd angefangen zu regnen, so dass wir bei den Pinakotheken nicht allzu viele Zuschauer hatten und keiner die Polizei wegen eines Gewaltverbrechens rief. Noch schnell ein Abstecher zur TU, dort noch zwei weitere Fotos von meinen Begleitern produziert und schon mussten wir zur U-Bahn rennen, die Kinder auf dem Rücken und den Schultern, um bis 15:30 Uhr bei Kamps zu sein …

Dort nahmen wir die restlichen sechs Unterthemen in Empfang:

7. zornig, 8. verliebt, 9. verlegen, 10. gesellig, 11. fromm, 12. geil

Wir gingen erstmal in den Asamhof, um Kaffee zu trinken und ein Brainstorming zu machen. Auf dem Weg dorthin hatte Ferdi einen kleinen Wutanfall, und obwohl er sich sonst wirklich nie auf den Boden wirft, tat er mir den Gefallen:

7. zornig

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Nach der Pause im Asamhof mussten wir für zwei von drei Kindern leider neue Klamotten kaufen, da die, die sie trugen, einem Brunnen zum Opfer fielen, in dem sie sich vergnügten, während wir über den Themen grübelten. Aber es geht halt nicht ohne Verluste. In frischen Sachen war die Umsetzung des nächsten Unterthemas dann aber ein Kinderspiel, diesmal durfte auch meine Tochter als Statistin mitwirken:

8. verliebt

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Das nächste Thema fand ich zunächst sehr schwierig. „Schau mal verlegen, Ferdi“, versuchte ich es, aber er hatte gerade keine Lust und wollte lieber herumtoben und mit seinem McDonalds-Drachen spielen. Also ließ ich ihn und hoffte, mir werde auf der nächsten Etappe schon noch irgendwas anderes einfallen. Wir spazierten zum Sankt-Jakobs-Platz und der Synagoge und ich suchte eigentlich ein Bonbon in meiner Tasche, als ich einen Edding fand, den ich immer zum Sandspielzeugnachbeschriften dabei habe. Da kam mir eine Idee. Ich malte VER auf ein Taschentuch und bat Ferdi, es mit zwei Fingern zu nehmen und vorsichtig auf den Boden zu legen. Eigentlich hätte ich gerne die Flucht zwischen dem Jüdischen Museum und dem Einstein als Hintergrund gehabt, aber das Söhnchen wollte es anders machen. Also gut:

9. verlegen

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Weiter ging’s zum Viktualienmarkt, denn dort hatte ich eine Idee für „gesellig“. Rasch die netten Herren gefragt, ob der Kleine sich eben setzen dürfe und ob man ihm ein Bier leihen könne, ein paar Serienaufnahmen und fertig war das zehnte Motiv:

10. gesellig

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Für Bild 11, „fromm“, sah ich dann eine Ecke weiter ungefähr zehn #fmm14-Kollegen in die Heilig-Geist-Kirche strömen. Also verwarf ich das Naheliegende und dachte an eine Freundin von mir, die mit Nachnamen Fromm heißt. Sie wohnt allerdings auf dem Land, also musste das Telefonbuch herhalten und generierte mir doch tatsächlich einen Treffer in der Inneren Wiener Straße! Danke, Herr Fromm. Sie haben mir unbekannterweise sehr geholfen.

11. fromm

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Der Hofbräukeller, das Ziel, war schon in Sichtweite. Meine Freunde hatten mich mittlerweile überholt und waren fertig mit der Serie. Wie stellt man jetzt „geil“ mit einem 3-Jährigen dar? Ich fragte ihn, ob er eine Tüte Gummibärchen haben wolle und stellte mir seinen begeisterten Gesichtsausdruck vor, wenn er sie ganz für sich alleine bekäme. Allerdings ist ja so viel Zucker gar nicht gesund, und da waren noch die beiden anderen Kinder, die dann auch je eine Tüte Gummibärchen hätten haben wollen … Zufällig kamen wir an einem Dessous-Laden vorbei, meine Freunde hatten zur Sicherheit vorher am Sendlinger Tor eine Postkarte für Ferdi gekauft, und der Rest war in drei Sekunden passiert: „Ferdi, schau mal die Frau in der schönen Unterwäsche an!“ Klick:

12. geil

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Alle Bilder geschafft! Nun nur noch schnell die überflüssigen von der Speicherkarte löschen und ab zur Abgabe. Es war mittlerweile 18:40 Uhr und wir hatten alle drei Kinder seit 16:30 Uhr fast nur noch getragen. 15, 17 und 23 Kilo.

Kurz vor Schluss dann noch ein Riesen-Schreckmoment: Ein technisches Problem mit meiner Speicherkarte. Um zehn vor sieben wollte ich schon aufgeben und überlegte gerade, ob ich schreien oder heulen sollte, da retteten mich meine Freunde, und um 18:59 Uhr konnte ich meine Karte doch noch ordnungsgemäß einlesen lassen. Ich hoffe zumindest, dass die EXIF-Daten mit dabei sind.

Aber selbst wenn nicht – es war ein langer, warm-feuchter, lustiger, spannender, aufregender, anstrengender und genialer Tag. Wenn ich vorher gewusst hätte, WIE anstrengend es werden würde, wäre ich vermutlich im Bett geblieben – gut, dass mir das keiner gesagt hat!

Speziellen Dank an das Orga-Team des #fmm14, an Antje, Christian, Felix, Linda und natürlich Ferdi, meinen kooperativen Hauptdarsteller. (Psssst – die Gummibärchen gibt’s noch!)

 

Fakten

Getrunken: Spezi, Radler, Apfelschorle, Kaffee, Orangensaft (frisch gepresst), Espresso, Cappuccino, Fanta, Cola, Weißwein, Wasser

Gegessen: Burger & Pommes, Tiramisu, Obstsalat, Pizza, Pasta, Brezn

Gefahren: U-Bahn, Tram, Bus

Gelaufen: 13.489 Schritte (= ca. 8 km)

Gekauft: Kräuterzigaretten, Feuerzeuge, drei Messer, drei Pixibücher, Kinderklamotten, Postkarte

Getragen: je 18,3 kg Kind (im Schnitt) und ca. 2-3 kg Ausrüstung

 

 

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6 Gedanken zu “Fotomarathon München 2014

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