Mit der Kamera in die Seele blicken

Fotografieren ist Gefühle sammeln. Ihr kennt mein Motto, das über jedem einzelnen meiner Bilder steht. Bei Hochzeiten ist das relativ einfach, denn dort wimmelt es vor Gefühlen, und bisher waren sie auf den Feiern, die ich begleitet habe, auch immer echt: Freude, Glück, Rührung und natürlich die Liebe. Die Kunst besteht lediglich darin, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Und zu sehen, wo sich gleich ein Gefühl zeigen könnte, um rechtzeitig und unaufdringlich zur Stelle zu sein.

Bei Kindern ist es auch nicht sonderlich schwer. Sofern die Eltern den Nachwuchs nicht durch ständiges „Lach doch mal, sag Spaghetti!“ durcheinanderbringen. Selbst das ernsteste und schüchternste Kind wird bei einer behutsam fotografierten Familienreportage irgendwann lächeln oder lachen, nämlich dann, wenn es vergisst, dass es eigentlich um die Fotos geht und einfach ein paar schöne Stunden mit seinen Eltern verbringt.

Schwieriger wird es da schon bei Portraits von Erwachsenen. Wir alle haben gelernt, dass Gefühle Privatsache sind, dass man sie nach außen möglichst nicht zeigt, und wenn, dann bitteschön nur die „guten“. Die meisten wären gerne fröhlich, unbeschwert, lebensfroh und gut drauf, und das am liebsten jeden Tag. Doch wie ticken wir wirklich? Wer sind wir (und wenn ja, wie viele)? Ein melancholischer Mensch ist kein Trauerkloß, der einen runterzieht, im Gegenteil. Wie Mark Twain sagt: „The secret source of humor itself is not joy but sorrow.“ Umgekehrt ist einer, der als „Gaudibursch“ daherkommt, nicht zwangsläufig oberflächlich oder durch und durch Optimist.

Am schönsten werden Portraits, wenn man den echten Menschen darauf erkennt. Und das größte Kompliment, das ich als Fotografin von einer Freundin bekam, war: „Wenn man deine Fotos ansieht, meint man, die Menschen auf ihnen zu kennen, auch wenn man sie noch nie in echt gesehen hat.“ Dahin ist es manchmal ein langer Weg. Oft genug funktioniert es auch nicht optimal. Voraussetzung ist: Ich selbst muss mich öffnen. Muss bei der Sache, beim Menschen sein, ehrlich, unverstellt. Die Chemie muss stimmen. Wenn wir uns nicht kennen, müssen wir uns kennen lernen – im Schnelldurchgang. Doch, das geht. Es geht auch mal in ein, zwei Stunden, wenn’s sein muss. Was nicht geht: Einfach nur zwei, drei schnelle, schöne Fotos in ein paar Minuten. Dafür kann man sich auch in den Passbildautomaten setzen, der ist günstiger.

In diesem Sinne: nehmt Euch Zeit für Portraitfotos. Ich mache keine Beauty-Portraits, es kommt mir nicht auf das perfekte Make-up oder eine frisch gelegte Frisur an. Ich möchte an den Menschen ran. Gebt mir die Chance, Euch kennen zu lernen. Geht mit mir spazieren, erzählt mir was von Euch, und ich erzähle auch was von mir. Und wenn alles klappt, könnt Ihr Euch am Ende auf den Bildern selbst sehen. So, wie Ihr seid.

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