Kinderfotos im Netz

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Eine nette E-Mail meiner Leserin Carolin hat mich auf dieses Thema gebracht. Es wird viel diskutiert, aber ich habe mich dazu bisher noch nicht geäußert – aus Gründen.

Es geht um Kinderfotos im Internet.

Ich möchte vorausschicken, dass dieser Artikel weder ein Überzeugungs- noch ein Rechtfertigungsversuch sein soll. Ich erzähle einfach ein paar meiner Gedanken, die ich mir natürlich gemacht habe. Nicht mehr und nicht weniger.

Meine Entscheidung, ob meine Kinder auf Fotos ins Internet dürfen, ist vor längerer Zeit gefallen. Ja, sie dürfen. Aus ganz einfachen, praktischen Gründen: Ich brauche die Fotos, die ich von meinen Kindern gemacht habe, um meine Arbeitsweise zu zeigen. Mit Fotos von anderen Kindern, die nicht meine sind, bin ich sparsam – obwohl es genügend Eltern gibt, die einer Veröffentlichung gerne zustimmen. Trotzdem zeige ich, wenn überhaupt, außer den Fotos meiner eigenen Kinder am liebsten Bilder von Kindern von Freunden oder von Kunden, die zu Freunden geworden sind. Warum? Weil ich weiß, dass diese Eltern mir vertrauen. Mir vertrauen, dass ich sorgfältig mit diesen Veröffentlichungen umgehe und eine Erlaubnis niemals ausnützen würde.

Die Gefahr beim Veröffentlichen von Kinderbildern liegt meiner Meinung nach nicht im Bild an sich. Ich setze einfach mal voraus, dass man niemals Nacktbilder online stellt und auch keine Fotos, die den Kindern heute oder später peinlich oder unangenehm sein könnten. Die Gefahr liegt in den verknüpfbaren Informationen. Hier haben es die Kinder meiner Kunden oder Freunde besser als meine, denn sie bleiben komplett anonym. Es werden keine Namen genannt, wichtig: auch nicht in den Metadaten wie dem Dateinamen oder sonstigen auslesbaren Informationen. Auch keine Geburtstage oder sonstige „personenbezogene Daten“. Meine eigenen Kinder haben es da etwas schwerer, doch ich versuche, sie so gut wie möglich zu schützen. Auch ihre Namen kennt nur, wer mich besser bzw. persönlich kennt. Früher habe ich sehr persönliche Blogbeiträge geschrieben, auch über meine Kinder, oft ohne Bilder, dafür aber mit vielen anderen Informationen. Diese Artikel habe ich mittlerweile privat geschaltet oder anonymisiert, teilweise ganz aus dem Netz genommen. Meine Kinder tragen einen anderen Nachnamen als ich, und niemals würde ich, der facebook-Junkie, in ihrer Schule oder dem Kindergarten „einchecken“.

Die Gefahr an Kinderfotos im Internet liegt, und das ist nur meine persönliche Meinung, nicht in den Fotos selbst, sondern in der Verknüpfung mit anderen online verfügbaren Informationen. Hier beginnt der Datenschutz, der mir sehr wichtig ist. Es gab, als meine Tochter knapp zwei Jahre alt war, einmal eine Fotostrecke, die ich für ein mittlerweile sehr bekanntes und erfolgreiches Fashion-Blog im Studio fotografiert hatte. Aus Versehen wurde dabei zunächst der Vorname meiner Tochter genannt, und auf der gleichen Seite tauchte mein bürgerlicher Name auf, unter dem ich nie arbeite. Die Nennung wurde sofort korrigiert, und trotzdem findet man diese Information immer noch bei Google, wenn man es weiß.

Mir ist klar, dass man mit etwas Spaß am Detektiv spielen und wenn man Google bedienen kann, diese Daten auch so herausfindet. Das ist auch nicht tragisch, denn sie sind kein Geheimnis – trotzdem möchte ich sie nicht unnötig jedem auf die Nase binden.

Ich bin für meine Kinder verantwortlich, und ich frage sie, bevor ich Bilder von ihnen veröffentliche. Ja, auch den Kleinen mit seinen drei Jahren. Sie wachsen mit dem Internet und der Fotografie auf, für sie ist das alles ganz normal, und gerade deswegen wissen sie auch, was „Bilder online stellen“ bedeutet. Natürlich nicht in der möglichen Tragweite, und natürlich bin ich verantwortlich. Aber wenn meine Tochter oder mein Sohn sagen, dass ich ein Bild nicht zeigen soll, zeige ich es nicht.

Das Veröffentlichen von Kinderbildern im Netz hat seinen Preis, da kann man noch so verantwortungsvoll und vorsichtig sein. Der Preis ist in erster Linie eine latent vorhandene Unsicherheit, ob es richtig ist, was man tut. Andererseits verdiene ich mein Geld mit dem Fotografieren von Kindern und Familien – das Zeigen von Bildern und das Marketing dafür im Internet sind wichtige Teile meines Jobs.

Und man muss die Kirche auch im Dorf lassen. Mir ist wichtig, dass meine Kinder, vor allem wenn sie etwas größer sind und selbst im Internet aktiv werden, einen vernünftigen, aber nicht paranoiden Umgang damit lernen. Also lebe ich ihnen diesen vor. Vorsicht, Umsicht und eine gewisse Portion Misstrauen sind dabei wichtig. Überlegen, bevor man etwas online stellt oder postet. Das gilt für Worte übrigens genauso wie für Bilder. Und Vorsicht mit der Verknüpfung von Informationen, wenn man ein Problem damit hat, ein gläserner Mensch zu sein.

Ansonsten gilt für das Internet dasselbe wie für das Offline-Leben. Ich kann meine Kinder nicht dauerhaft vor allen Gefahren beschützen und sie auf jedem Schritt begleiten, weder auf der Straße noch im Netz. Aber ich kann und muss ihnen beibringen, wie sie eine Straße überqueren, ohne überfahren zu werden, wie sie sich vor Übergriffen schützen und wie sie sich verhalten, wenn sie ein Fremder (oder eben auch nicht-ganz-Fremder) anspricht. Ebenso im Internet: Spätestens, wenn sie selbst anfangen, auf Facebook (wenn’s das dann noch gibt) aktiv zu werden oder zu bloggen, sollten sie wissen, welche Gefahren die Öffentlichkeit birgt und wie man seine Privatsphäre schützen kann, auch wenn man das Internet privat und beruflich nutzt.

Fazit: Kinderfotos im Netz? Ja. Zumindest, was das Berufliche angeht.
Privat nur für einen kleinen Kreis. Und immer mit Hirn, Herz und einer Prise Misstrauen neben dem Grundvertrauen in das Gute im Menschen.

PS. Ein sehr intelligenter und viel tiefer gehender Artikel zum Thema: http://www.leitmedium.de/2015/04/22/kinderfotos-im-netz-ja-bitte/

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5 Gedanken zu “Kinderfotos im Netz

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