Über das Scheitern, den Erfolg, den Mut und die Sicherheit

Heute früh wurde ich in einer Unternehmerinnengruppe auf Facebook gefragt: „Was würdest du tun, wenn du nicht scheitern könntest?“ Na klar, dasselbe wie jetzt auch, dachte und schrieb ich als Antwort, schließlich übt man nur durch das Scheitern den Erfolg, Fehler sind Erfahrungen, trial & error ist ein anerkannter Weg zum Ziel und so weiter und so fort. Business-Coach-Blabla.

Aber natürlich ist etwas dran, auch wenn es nicht ganz so simpel ist.

UnternehmerIn zu sein, ist im Prinzip nichts anderes, als zu investieren. Wenn ich in ein Unternehmen oder eine Idee investiere, schaue ich vorher ganz genau: Ist das vielversprechend? Ist es seriös? Hält es, was es verspricht? Sind die Macher glaubhaft und authentisch? Haben die Plan und Talent? Ein Netzwerk? Die nötige Liquidität? Und nicht zuletzt: Was sagt mein Bauchgefühl, kann ich Vertrauen in dieses Unternehmen oder die Idee haben?

Genau so funktioniert die Selbständigkeit. Mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass man nicht in Unternehmen X oder Idee Y investiert, sondern in sich selbst, höchstpersönlich. Natürlich muss man sich also fragen: Ist das vielversprechend, was ich vorhabe? Ist es seriös? Habe ich einen Plan und Talent? Ein Netzwerk? Und so weiter. Man muss ehrlich sich selbst gegenüber sein und ohne Schönfärberei die Frage beantworten: Kann es klappen?

Natürlich kann man trotzdem scheitern. Aber wenn man am Anfang ehrlich zu sich ist und vor allem ganz genau auf sein Bauchgefühl hört, wird man eher nicht auf ganzer Linie scheitern, sprich, einen Haufen Geld in den Sand setzen und danach nicht die Kraft haben, etwas Neues zu beginnen. Das kleine Scheitern hingegen ist total wichtig. Wenn alle Projekte immer glatt gehen und erfolgreich sind, stimmt etwas nicht. Oder sie sind einfach eine Nummer zu klein und man bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es hat immer einen Grund, wenn etwas nicht klappt. Und dieser Grund ist sehr wertvoll und die Basis für weitere, erfolgreichere Projekte.

Oft höre ich: „Ich wäre ja so gerne selbständig, aber ich habe Angst vor der Unsicherheit. Woher nimmst du nur den Mut?“ Da gilt es, ganz genau in sich hineinzuhören. Wäre man WIRKLICH gerne selbständig, sein eigener Chef? Oder fühlt man sich angestellt ganz wohl und der Chef nervt nur temporär?

Die Unsicherheit ist kein Argument gegen die Selbständigkeit, genauso wenig, wie die Sicherheit eines für die Anstellung ist. Im Gegenteil. Ich habe mich nie sicherer gefühlt als als Selbständige. Weil ich nicht mehr von einem Unternehmen oder Chef abhänge oder von irgendwelchen Vorständen, die vielleicht morgen beschließen, den Firmensitz von München nach Hamburg zu verlegen. Ich hänge allein von mir selbst ab. Ich bin mein eigenes Kapital. Ich investiere in mich selbst, indem ich scheitere, lerne, hart arbeite, mich weiterbilde, mich vernetze, Sachen ausprobiere, Sachen mache und Dinge lasse. Ich bin meine eigene Sicherheit. Ich weiß, dass ich immer etwas finden werde, mit dem ich mein Geld verdienen kann. Das muss nicht mal die Fotografie oder das Schreiben sein, ich könnte auch andere Dinge machen, weil ich gelernt habe, eigenverantwortlich zu arbeiten, fast egal, wie der Job inhaltlich aussieht.

Das Ganze funktioniert übrigens sogar, wenn man angestellt ist und das gerne bleiben möchte. Wichtig ist nur: Investiert in Euch selbst. Scheitert – für Euch. Lernt. Habt Spaß. Vernetzt Euch. Tut das, was Ihr tut, mit Leidenschaft. Am besten so, dass Eure Augen leuchten und Ihr vor Begeisterung sprüht, wenn Ihr jemandem davon erzählt, was Ihr tut. Das ist ein guter Test, um herauszufinden, was man wirklich will und ob man das Richtige für sich selbst macht. Erzählt anderen davon, die nicht wissen, was Ihr macht. Und achtet darauf, was und wie Ihr es erzählt.

Zum Abschluss möchte ich Euch noch einen Spruch von Osho mit auf den Weg geben, der mich schon viele Jahre lang begleitet und der Zeug dazu hätte, mein Lebensmotto zu sein, würde ich nicht dem Konzept Lebensmotto generell kritisch gegenüberstehen:

Mut ist die Bereitschaft, der fundamentalen Unsicherheit des Lebens zu begegnen und sie als das grundlegende Mysterium unserer Existenz zu achten.

In diesem Sinne: Macht es gut!

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