Über die Hochzeitsfotografie

 

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In den Gruppen der HochzeitsfotografInnen auf Facebook drehen sich die Diskussionen meistens um die Technik. Welche Kamera? Momentan geht der Trend zu Profi-Systemkameras einer japanischen (ach was …) Marke. Welche Objektive? Zoom oder Festbrennweite? Muss eine Profi-Kamera zwei Kartenschächte haben oder reicht auch einer, überhaupt, welche Speicherkarten sind die besten, wie schnell müssen sie sein und wie sichert man seine Daten?  Wie blitzt man am besten, und wenn wann, oder überhaupt?  Braucht man zwingend Vollformatkameras oder tut’s auch eine APS-C? Wie viel Megapixel sind gut, wie viele sind nötig, und welche Kamera rauscht bei ISO 6400 am wenigsten?

Und dann geht’s natürlich auch um das Fotografieren an sich. Darf man den Weißabgleich auf Automatik stellen oder nicht? Muss man als Profi nicht überhaupt immer manuell belichten? Was ist besser, ein kontinuierlicher Autofokus oder ein fixer? Und so weiter.

Das ist alles sehr interessant und auch nicht unwichtig. Dennoch behaupte ich: Technik muss Nebensache sein. Ob ich mit einer Kompaktkamera oder einem Vollformat-Spiegelreflexboliden fotografiere, ob ich mich M-Modus zu Hause fühle oder lieber mit Halbautomatik fotografiere, ob ich an Brennweite stufenlos alles zwischen 10 und 300 mm zur Verfügung habe oder nur 35 und 50 mm, ob ich gar nicht blitze oder eine komplette Anlage hierfür dabei habe – das ist nicht wichtig. Das Ergebnis zählt. Und zwar nicht nur, was die technische Qualität betrifft. Es geht – wir sind bei der Hochzeitsfotografie – um das Festhalten von Gefühlen und Momenten. Diese ganz besonderen Momente einfangen zu können, das ist das Wichtige. Damit das gelingt, brauche ich mehr als zwei Profikameras und gute Linsen. Das Vertrackte ist nämlich: In dem Moment, in dem ich einen besonderen Augenblick sehe, ist er auch schon wieder vorbei. Ich muss diese kurzen magischen Momente also erspüren, bevor sie passieren, um sie dann festhalten zu können. Das ist trotz aller Magie keine Zauberei – fragt nicht, wie oft ich denke, dass jetzt gleich etwas Besonderes passiert, und dann verwerfe ich später ein nichtssagendes Foto. Aber manchmal klappt es. Oft genug.

Die ganze Technik des Fotografierens muss dafür in den Hintergrund treten, sie muss selbstverständlich sein, damit ich mich auf die Momente konzentrieren kann. Ich muss meine Kamera nicht nur blind bedienen können, ich darf gar nicht darüber nachdenken müssen, ob meine Einstellungen passen.

Was es noch braucht, ist Erfahrung und Menschenkenntnis sowie Empathie. Ich weiß genau, wann ich in der Kirche oder bei den Gratulationen danach die beste Chance habe, Rührungstränen einzufangen, weil ich nämlich selbst Wasser in den Augen spüre, noch bevor der Braut, dem Bräutigam oder einem Gratulanten eine Träne über die Wange läuft. Ich habe einen Riecher für ergreifende Momente entwickelt, zugegeben, seit ich Mutter bin, habe ich rührungstechnisch generell direkt am Wasser gebaut. Manchmal verstecke ich mich in der Kirche hinter meiner Kamera, weil ich nicht unprofessionell wirken will, und dabei entstehen oft die besten Bilder.

Ähnliches gilt für Familienreportagen. Nur, dass man hier als Fotograf mehr Möglichkeiten hat, selbst Situationen zu erschaffen oder anzuregen, die als Trigger für echte, Geschichten erzählende Momente dienen. Trotzdem geht es auch hier darum, im richtigen Moment abzudrücken.

Als ReportagefotografIn muss man also mit seiner Kamera oder seinen Kameras eins werden und sollte sich im Idealfall überhaupt keine Gedanken mehr um Technik machen müssen. Deswegen ist es nicht wichtig, mit welchem Equipment und welchen Einstellungen der Kollege seine tollen Hochzeitsfotos macht, sondern nur, was mir selbst am besten taugt, womit ich mich wohl fühle und was am ehesten dazu führt, dass die Kamera kein technisches Hightech-Gerät mehr für mich ist, sondern mein erweitertes Auge, mit dem ich die Welt für einen kleinen Moment anhalten kann.

 

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