Urheberrecht

oder: Was Ihr mit Euren Bildern machen dürft (und was nicht)

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Vorab: Keiner muss jetzt Angst bekommen. Außer diejenigen, die nicht meine Kunden sind und Bilder von mir ohne zu fragen aus dem Netz kopiert und auf ihren Seiten veröffentlicht haben, und darunter besonders diejenigen, die noch ihr Logo als Urheberhinweis drauf gepappt haben. Alle anderen können aufatmen.

Eigentlich steht das alles in meinen AGB, aber mir ist auch klar, dass die niemand liest, mach ich auch nicht. Und sie sind auch schrecklich geschrieben. Das Ganze ist nämlich gar nicht so uninteressant! Ich spreche der Einfachheit halber mal von „dem Bild“, es gilt natürlich auch für mehrere Fotos.

1) Das Bild gehört immer dem Fotografen

Rechtlich gesehen kann man ein Foto nicht verkaufen, sondern nur die Nutzungsrechte daran. Das Urheberrecht ist unveräußerbar und verbleibt immer beim Fotografen. Deswegen gibt auch kein Fotograf (oder zumindest keiner, den ich kenne) seine RAW-Dateien raus. Im Zweifelsfall benötigt er diese, um seine Urheberschaft zu beweisen, und wenn man sie weggibt, wird das schwierig.

2) Das Nutzungsrecht

Was Ihr also kauft, wenn Ihr „Bilder eines Shootings kauft“, sind die Nutzungsrechte dafür, auch Lizenzierung genannt. Bei Privatpersonen werden normalerweise mit der Bezahlung die einfachen Nutzungsrechte übertragen, zeitlich unbegrenzt. Sprich, Ihr dürft das Foto für private Zwecke nutzen = veröffentlichen. Privat bezeichnet hier den Zweck der Nutzung, nicht die Unterscheidung öffentlich/nicht öffentlich. Ihr dürft also nach Herzenslust posten. Wo und wie oft und wie lange Ihr wollt. Außer natürlich in illegalem Umfeld, aber das lassen wir mal weg. Ihr könnt das Foto für alles nutzen, was privat ist, womit Ihr also nicht direkt oder indirekt Geld verdient. Soziale Medien, Blog, private Website, Fotobuch, Wandbilder, Karten, was auch immer. Was Ihr nicht dürft: Das Bild verkaufen oder zur Nutzung an Dritte weitergeben (wenn die nicht privat ist). Könnt Ihr nämlich gar nicht, da das Urheberrecht ja beim Fotografen liegt. Und Ihr dürft es nicht kommerziell nutzen, wenn es aus einem privaten Shooting stammt. Streng genommen dürft Ihr es nicht für XING & Co. verwenden. Aber darüber kann man mit mir natürlich reden.

3) Der Urheberhinweis

Der Fotograf = Urheber hat grundsätzlich immer das Recht, als Urheber genannt zu werden, und zwar direkt am Bild, nicht irgendwo im Impressum. Völlig egal, ob er Euch das Bild geschenkt hat oder Ihr 1000 Euro dafür bezahlt habt, und es ist auch egal, ob das Bild Euer Nachbar oder Annie Leibovitz gemacht hat. Wenn Ihr die Nennung vergesst, zieht das theoretisch einen Schadenersatzanspruch nach sich.  Ich sage theoretisch, weil ich in der Praxis darüber auch mal hinwegsehe und um „Nachrüstung“ bitten würde, falls es mich stört. Also keine Angst.

4) Bildbearbeitung

Es ist grundsätzlich nicht erlaubt, ein Bild zu verändern, zu bearbeiten, zu beschneiden, zu beschriften etc. und es dann zu veröffentlichen. Einfach, weil ein Foto ein urheberrechtlich geschütztes Werk ist, das nicht verändert werden darf. Aber auch hier gilt, zumindest bei mir: Mei (wie der Bayer sagt). Ich finde Color Key und Sepia schrecklich, aber wenn Euer Glück davon abhängt, bitteschön. In diesem Fall bitte ich dann aber ausdrücklich darum, auf die Urhebernennung zu verzichten ;). Aber zum Beispiel ein Foto für ein Facebook-Cover zu beschneiden, ist für mich gar kein Problem. Oder eine Collage aus mehreren Bildern. Hautsache, es sieht gut aus.

5) Businessbilder oder die kommerzielle Nutzung

Bisher sprachen wir von privaten Fotos. Bei Businessbildern ist es noch mal anders. Sie kosten mehr (bei mir nur einen Tick, außer, Ihr seid eine große Firma), weil die Nutzungsrechte erweitert sind und der Kunde mit den Bildern indirekt Geld verdient. Bei mir (das gilt aber nicht für alle Fotografen, Achtung!) sieht das so aus, dass der Businesskunde die Bilder für seine Businessbelange zeitlich unbegrenzt nutzen darf. Also Website, Soziale Medien, XING etc., Flyer, Presse, was auch immer. Nur verkaufen oder an Dritte zum Verkauf weitergeben geht nicht. Ansonsten gilt dasselbe wie bei 1. bis 4. auch.

6) Und was ist mit meinem Recht am Bild?

Das Recht am eigenen Bild hat mit dem Urheberrecht erstmal gar nichts zu tun. Das Recht am eigenen Bild besitzt derjenige, der auf dem Bild zu sehen und zu erkennen ist, und dabei geht es nur darum, dass er zustimmen muss, dass das Bild veröffentlicht wird. Ihr müsst also zustimmen, dass ich ein Bild veröffentlichen darf, dessen Urheberrecht ich besitze, wenn Ihr darauf zu erkennen seid. Aber inhaltlich haben die beiden Rechte nichts miteinander zu tun. Tiere gelten hier übrigens juristisch als „Sachen“ und besitzen leider kein Recht am eigenen Bild. Das von Kindern wird von den Erziehungsberechtigten vertreten. Und es gibt noch ein paar Ausnahmen (Menschenmengen etc., Promis), aber das ist ein anderes Thema.

 

Zusammenfassung: Privat müsst Ihr fast nichts beachten, außer, den Fotografen als Urheber zu nennen oder ihn zu fragen, ob ihr das weglassen dürft. Manchmal ist es doof, das ist kein Beinbruch. Und Ihr dürft kein Geld mit den Bildern machen, weder direkt noch indirekt. Und kein Sepia. (Instagramfilter sind ok!)

Seid Ihr Businesskunden, ist es dasselbe, nur mit der Erlaubnis der kommerziellen Nutzung (außer verkaufen), allerdings nicht bei allen Fotografen. Fragt lieber nach den Nutzungsrechten.

Disclaimer: Dieser Text stellt keine Rechtsberatung dar und wurde von einer Nicht-Juristin nach bestem Wissen und Gewissen verfasst.

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