Welche Brennweite wofür?

[Tipp für Eilige: Ganz unten steht eine knappe Zusammenfassung!]

Wie viele von Euch wissen, bin ich ja ein erklärter Fan von Festbrennweiten, oder, wie ich sie manchmal nenne, Turnschuhzooms.

Weil, ja weil sie lichtstärker sind, die Blende sich weiter öffnen lässt und damit die Tiefenschärfe kleiner gemacht werden kann. Weil die Bildqualität meistens einfach besser ist. Und nicht zuletzt, weil man durch ihre Nutzung viel lernt. Eben, weil man nicht ran- oder rauszoomen kann und sich so zwangsweise mehr Gedanken über den Bildaufbau machen muss.

So weit, so gut. Vielleicht seid Ihr wild entschlossen, Euch auch endlich eine dieser sagenumwobenen Festbrennweiten zu kaufen. Aber schon taucht die nächste Frage auf: Welche denn, bitteschön? Es gibt für fast jede Kamera so ziemlich alles von 16 bis 400 Millimetern. Okay, reden wir mal von 16  bis 85 mm. Die Superzooms sind eher was für Spezialisten, und ich gehe mal davon aus, dass Ihr keine ausschließlichen Wildlifefotografen seid.

Die Liste, die jetzt kommt, ist subjektiv. Aus meiner Erfahrung als Hochzeits-, Portrait-, Reise- und Alltagsfotografin entwickelt. Die ganze Brennweitengeschichte ist subjektiv – manche Brennweiten liegen einem, manche weniger. Probiert es aus. (Objektive kann man auch testweise ausleihen!) Die Millimeterangaben beziehen sich auf APS-C-Kameras mit Cropfaktor, keine Vollformatkameras. Hier müsste man die Brennweiten durch 1,6 teilen, um auf die richtige zu kommen. 50 mm auf Vollformat entsprechen etwas mehr als 30 mm auf Crop. Die Millimeterangaben sind Circa-Werte, sie variieren je nach Hersteller. Und natürlich ist die Liste keineswegs vollständig.

 

16 Millimeter: Superweitwinkel. Mag ich sehr, vor allem für Reise und Landschaft. Gut auch für die Stadt und für andere, neue Perspektiven. Als Reportageobjektiv auch durchaus geeignet. Schön, um Ebenen und Tiefe ins Bild zu bekommen.

16mm

 

 

23/24 Millimeter: Weitwinkel. Meine am meisten genutzte Brennweite überhaupt. Ob als 35mm auf der Vollformat oder eben 23mm auf der Crop. Die perfekte Reportagebrennweite für Hochzeiten, Familienfotos, ja sogar Neugeborenenfotografie. Um Geschichten zu erzählen und Städte abzubilden. Schön für Landschaft. Aber auch geeignet, um mal ein Portrait damit zu machen. Zu nah rangehen sollte man dabei nicht, außer, man akzeptiert die Verzerrung des abgebildeten Gesichts als Stilmittel. Aber für Halbkörperportraits durchaus zu empfehlen.

23mm

 

35 Millimeter: Das Immerdrauf. Entspricht ungefähr dem Bildausschnitt, den das menschliche Auge sieht. Deswegen fühlen sich Bilder, die mit dieser Brennweite gemacht wurden, vertraut und gut an; es besteht jedoch die Gefahr, dass sie langweilig wirken, eben, weil die Brennweite an sich so „normal“ ist. Der Vorteil: mit 35 Millimetern könnt Ihr fast alles gut fotografieren. Von drinnen im Wohnzimmer bis auf der großen Reise, vom schönen, freigestellten Portrait bis zum Blümchen. Ein gutes Immerdrauf, mit dem vieles geht.

35mm

 

 

50 Millimeter: Das Portrait- und Detailobjektiv. Ich mag es für Portraits lieber als das 85mm-Objektiv, weil ich beim Fotografieren nicht so weit weg von meinem Model bin und etwas mehr Hintergrund habe. Auch gut geeignet für alle Fotos, auf denen man Details herausstellen möchte und Tiefe durch Ebenen und geringe Tiefenschärfe erzeugen kann. Sprich, für Blumen, für Details in der Stadt oder auf dem Land, aber weniger als alleiniges Objektiv auf der Reise, dazu ist es einfach zu „lang“.

50mm

 

 

85 Millimeter – das Supertele. Ich verwende es mittlerweile auf meiner Crop eigentlich nur noch in der Kirche bei Hochzeiten, weil es eben auf Nicht-Vollformat ein schönes „langes“ Teleobjektiv ist, mit dem ich Details des Brautpaars oder der Familie einfangen kann, ohne viel herumlaufen zu müssen. In der Kirche ist dieses „dann geh ich halt näher ran“, was man bei der Festbrennweite sonst gerne sagt, nicht so günstig. Andererseits ist eine Festbrennweite wegen der guten Lichtstärke dort unerlässlich. Deswegen 85mm. Ansonsten gut für Portraits und um Menschen unbeobachtet zu fotografieren, z.B. Kinder.

85mm

 

 

Zusammenfassung:

Für die Reportage, also Reise, Stadt, Alltag, empfehle ich ein Weitwinkel, ca. 16 bis 24 Millimeter.

Als Immerdrauf für fast alle Gelegenheiten kann man mit 35 Millimetern nicht viel falsch machen.

50 Millimeter eignen sich besonders für Portraits und Details.

Mit 85 Millimetern kann man besonders gut unbeobachtet fotografieren oder Portraits, wenn man gerne etwas weiter weg steht. Wenn man viel Platz hat (draußen!), kann man damit natürlich auch sehr gut Paare oder Familien fotografieren.

 

 

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5 Gedanken zu “Welche Brennweite wofür?

  1. Hallo liebe Anette
    Ich besitze eine Canon EOS 700D und spiele schon länger mit dem Gedanken, mir eine Festbrennweite zu kaufen. Nun bin ich über deinen tollen Post gestolpert, der mich erneut zu einem solchen Kauf animiert hat ☺
    Mein Dilemma: ich kann mich nicht zwischen der 35mm und der 50mm entscheiden. Ich tendiere eher zu einer 35mm, da diese spannendere Aufnahmen bringt (sagt mir mein Gefühl ;)). Jedoch kann ich mir die 35mm/ 1.4 momentan nicht leisten 😛 Hingegen passt die 50mm f/ 1.8 super in mein Budget. Was würdest du mir empfehlen? Kaufen oder sparen…
    Ich möchte damit va. Portraits & Ganzkörperaufnahmen draussen in der freien Natur fotografieren, wobei mir der „Freistelleffekt“ sehr wichtig ist, also dass die Person scharf und Hintergrund recht unscharf ist. Oder wäre dafür sogar ein 85mm noch besser geeignet?
    Und wieviele Abstriche würdest du bei der Brennweite zulassen? Krieg ich den Bokeh-Effekt auch noch mit Brennweite 2.8 oder sollte diese schon bei beziehungsweise unter 2 liegen?

    Vielen lieben Dank schon jetzt für deine Hilfe ☺
    Liebe Grüsse
    Selina

  2. Hallo alle zusammen, ich besitze eine Panasonic G70 mit den 14-140mm Kit-Objektiv und merke langsam, dass ich mit diesen kleinen Sensor an die Grenzen dieser Kamera komme. Ich möchte mir eine Sony A7 zulegen für Portraitfotos. Jetzt stellt sich nur die Frage welche Festbrennweite ist nun die richtige? 50mm oder 85mm

  3. Hallo Anette,

    vielen Dank für deine ausführliche Liste.
    Ich bin im Bereich Food unterwegs und bin immer wieder enttäuscht von der Qualität meiner Bilder. Für ein kürzliches Rezept habe ich mal wieder meine 50mm Festbrennweite ausgepackt und war total fasziniert von der Qualität, besonders von der Wärme. Darum suche ich gerade ein schönes „Immer drauf wenn Esse abgelichtet wird“- Objektiv und habe mich gerade schon fast für das 35mm entschieden.

    Vielen lieben Dank!!!!

    Schöne Grüße,
    Sascha

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